Halt auf Verlangen

19.09.2007 Kommentare deaktiviert von

“Graugetünchte Blechtore, hinter denen hüfthoch das Gras aufschießt. Auf den Toren kleben rote Sterne, mürbe, dicke Formen, wie von einem Kind im Sandkasten gebacken. Blinde Kasernen irren umher und starren aus leeren Fensterhöhlen. Auf den Dächern Antennengras, geknickt wie die Große Kasachensteppe im Winter. Drollige Wachtürmchen, alle unbemannt. Als Hünengräber getarnte Hangars, hastig gebaut nach dem Sechstagekrieg (…) Ein Geisterflugplatz tief im Gelände, alle MiGs heimgeflogen. Kiefern und Trümmer und Pfützen und der traurigste Bahnhof der westlichen Welt. Die Fenster preßspanvernagelt. Niemand da. Niemand, der den Perron jätete. Der Fahrplan sagt: ‘Halt auf Verlangen.’ Der Name des Bahnhofs wie der ganzigen riesigen militärischen Zone steht in Fraktur an der Wand und bezeugt, daß Kasernen, Schießplatz und Flugplatz älter sind als der jüngste Krieg und die letzten Herren hier: ‘Altes Lager’.”

Aus dem Buch “Drei Stunden Null. Deutsche Abenteuer.” von Wolfgang Büscher

Vielen Dank an Rolf für den Tipp.

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Über den/die Autor/in

Webmaster altes-lager.eu ,*1965 in Hamburg-Altona, 1982 Westberlin, 2005 Altes Lager
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