Ein neuer Ortsname

07.02.2012 1 Kommentar von

Geschichte und Geschichten aus Altes Lager und Neues Lager kann man in verschiedenen Büchern immer wieder finden. Zum Beispiel diese:

Am 19. Mai 1949 beschäftigte sich das Sekretariat des SED-Kreisvorstand Luckenwalde mit einer Initiative der SED-Ortsgruppe Altes/Neues Lager. Auf deren Mitgliederversammlung hatte die Außendiensstelle Altes Lager der Volkspolizei den Vorschlag gemacht, den Ort nach dem Antifaschisten Jeserick zu benennen. Dieser war nach “heftiger Diskussion” angenommen worden. Das Sekretariat äußerte sich nich nicht zu der Anregung; es unterbreitete sie dem Kreisvorstand. Dieser leitete sie an den RdK (Rat des Kreises) Luckenwalde weiter. Dort wies Kreisrat Jentsch auf die noch ungeklärte Rechtsstellung des Ortes hin. Dieser war nach der Auflösung des Wehrmachtsgutsbezirkes Schießplatz Jüterbog, zu dem der Ort zusammen mit anderen gehört hatte, in eine unentschiedene Situation geraten. Seine Einwohner hatten zwar an den Kommunalwahlen des Herbstes 1946 teilgenommen und eine Vertretungskörperschaft gewählt. Er wurde auch im amtlichen Ortsverzeichnis geführt, stand aber noch unter der Aufsicht des brandenburgischen Finanzministeriums, das das Land Brandenburg als Rechtsnachfolger aller reichsfiskalischen Grundstücke im Lande vertrat. Zudem war der Schießplatz mit dazugehörigen Einrichtungen von der Roten Armee übernommen worden. Vor der Einleitung eines Verfahrens nach Namensgesetz war deshalb die Frage zu klären, ob die GV Altes/Neues Lager überhaupt berechtigt einen solchen Antrag stellen könnte. Die Klärung blieb aus. Auf der Sitzung des Ausschusses für Gemeindeangelegenheiten des Kreistages Luckenwalde am 1. Dezember 1949 wurde bekanntgegeben, dass der Antrag zurückgezogen worden sei.

Erich Jeserick (1897-1944), Maler, Begründer und Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe Jüterbog, ab 1926 Abgeordneter in der Stadtverordnetenversammlung Jüterbog. Nach 1933 mehrfach kurzzeitig inhaftiert. In einer der Verhaftungsaktionen nach dem 20. Juli 1944 erneut verhaftet und in das KZ Sachsenhausen überstellt. Dort wahrscheinlich kurz danach ermordet. Wenn sich sein Name nicht in in einem Ortsnamen wiederfand, wurde doch die Grünstraße in Jüterbog, in der sich das Vereinslokal der KPD befunden hatte, nach ihm benannt (nach 1989 wieder rückbenannt). Vgl. dazu Lothar Schreiber: Erich Jeserick, in: Standhafte Antifaschisten, Luckenwalde 2007, S. 33-47.

Aus: Klaus Neitmann, Wolfgang Neugebauer, Jahrbuch Fur Die Geschichte Mittel- Und Ostdeutschlands 2009

Zeitgeschichte

Über den/die Autor/in

Webmaster altes-lager.eu ,*1965 in Hamburg-Altona, 1982 Westberlin, 2005 Altes Lager


Ein Kommentar zu “Ein neuer Ortsname”

  1. avatar
    Christian Göritz says:

    Hallo Klaus
    Das Altes Lager 1949 umbenannt werden sollte ist mir neu, aber sehr interessant für unsere Ausstellung.